Die Natur schützen und bewahren – so funktioniert das Jedermannsrecht auf Åland
Glatte Felsplatten, vom Wind geprägte Kiefernwälder und üppige Blumenwiesen. Das milde Klima in Kombination mit fruchtbarem Boden bietet ideale Bedingungen für eine reiche Artenvielfalt in Flora und Vogelwelt. Genießen Sie die Schärenlandschaft mit Respekt und Achtsamkeit – hier ist Ihr Guide zur Natur Ålands und zum Jedermannsrecht.
Die Natur in den Schären ist besonders empfindlich gegenüber Abnutzung. Deshalb pflegen die Åländer ihre Gebiete und die Natur mit großer Sorgfalt. Es ist ebenso wichtig, dass Sie bei Ihrem Besuch die kleinen, empfindlichen Ökosysteme respektieren.
Die Landschaft der Hauptinsel variiert zwischen Nadel- und Laubwäldern, landwirtschaftlich genutzten Feldern und Weiden sowie den für Åland typischen Blumenwiesen. Das charakteristische rote Granitgestein des åländischen Urgesteins ist fast überall sichtbar und wird auch für Straßenbeläge verwendet, sodass sowohl Kieswege als auch asphaltierte Straßen rötlich erscheinen.
Blütenpracht auf den Blumenwiesen
Eine Blumenwiese gleicht einem Mosaik aus Bäumen und offenen Lichtungen. Im Frühling und Frühsommer erstrahlen die Wiesen in einer prächtigen Blütenpracht mit Leberblümchen, Buschwindröschen, Scharbockskraut, Acker-Gelbstern, der åländischen Landschaftsblume Schlüsselblume und verschiedenen Orchideen.
Später folgen Blumen in leuchtenden Farben, darunter Wald-Storchschnabel, Kuckucks-Lichtnelke, Hahnenfuß, Hopfenblume und Bach-Nelkenwurz. Besonders lohnenswerte Blumenwiesen sind Tullarns Äng in Mariehamn, Höckböle in Geta und Ramsholmen in Jomala.
Charakteristische Schärenlandschaft
Eine weitere, durch weidende Tiere geprägte Landschaft findet sich vor allem auf den Schäreninseln sowie im Naturschutzgebiet Herrön in Lemland und auf dem Gelände der prähistorischen Stätte Borgboda in Saltvik. Auf trockeneren Böden wachsen Wacholder, Glockenblumen, Katzenpfötchen, Wiesenklee und Heide-Nelken.
In den Schären findet man häufig lockere Nadelwälder mit vom Wind geformten Kiefern. Je weiter man aufs offene Meer hinausgelangt, desto spärlicher wird die Vegetation. Ganz außen gibt es nur karge Felsen, teils mit einzelnen krautartigen Pflanzen.
Wie an anderen Orten rund um die Ostsee sollten Sie auf Zecken achten.
Das Jedermannsrecht auf Åland – die Natur nach ihren Bedingungen erleben
Seit jeher haben wir in Nordeuropa das Recht, uns frei in Wäldern, auf Feldern und auf Gewässern zu bewegen. Dieses Recht nennt man Jedermannsrecht. Auf Åland unterscheidet sich das Jedermannsrecht in einigen Punkten von jenem in Schweden und dem übrigen Finnland, da Åland eigene Gesetze hat und die Inseln im Verhältnis zu ihrer Größe und Einwohnerzahl viele Besucher anziehen.
Grundregel: Sie dürfen nicht stören oder zerstören. Sie dürfen Pilze, Beeren und Blumen für den persönlichen Bedarf sammeln, jedoch nicht auf Privatgrundstücken, in Parks oder in unmittelbarer Nähe von Gebäuden.
Gesetzlich geschützte Pflanzen – wie Orchideen – dürfen niemals gepflückt werden. Zeigen Sie stets Respekt für die Natur und den Grundstückseigentümer. Verwenden Sie immer Ihr gutes Urteilsvermögen.
Was Sie tun dürfen und was nicht
Sie dürfen sich zu Fuß frei in der Natur bewegen und sollten bevorzugt Wege und Pfade benutzen. Das Betreten von Privatgrundstücken und Stegen ist nicht gestattet. Achten Sie darauf, Zäune, Pflanzen oder Felder nicht zu beschädigen. Wenn Sie ein Tor passieren, schließen Sie es bitte hinter sich.
Für Übernachtungen empfehlen sich Campingplätze und Ferienhäuser. Picknicken ist erlaubt. Auf Åland ist es üblich, den Eigentümer um Erlaubnis zu fragen, wenn Sie auf dessen Grundstück übernachten möchten. Ist dies nicht möglich, dürfen Sie für eine Nacht in einem kleinen Zelt zelten, sofern die Privatsphäre gewahrt wird. Das Beschädigen der Natur oder das Stören von Eigentümern ist verboten. Gleiches gilt für Übernachtungen auf Booten.
Offenes Feuer ist laut Åländischem Recht ohne Zustimmung des Grundstückseigentümers verboten. Die Wälder auf Åland sind extrem brandgefährdet, und Feuer kann Felsen dauerhaft zerstören. Gehen Sie also vorsichtig mit Brandgefahr um.
Jedermannsrecht für Bootsfahrer
Wer sich auf dem Wasser bewegt, darf schwimmen, rudern, paddeln oder Motorboot fahren. Verwenden Sie nach Möglichkeit die markierten Wasserwege, da außerhalb dieser ein hohes Risiko besteht, auf Grund zu laufen.
Aus Rücksicht auf brütende Seevögel und andere Wildtiere ist es verboten, Hunde frei laufen zu lassen. Aus demselben Grund besteht zeitweise ein Landeverbot auf bestimmten Schären während der Brutzeit. Zeigen Sie stets Respekt vor schwimmenden Vogelkolonien, indem Sie Abstand halten und die Geschwindigkeit reduzieren.
Wenn Sie außerhalb der markierten Wasserwege in privaten Fischgewässern unterwegs sind, seien Sie besonders vorsichtig, um keine Fischfanggeräte zu beschädigen. Für das Angeln ist ein gültiger Fischereischein für das jeweilige Gewässer erforderlich.
Nehmen Sie Ihren Müll immer mit, wenn Sie eine Insel verlassen. Für Übernachtungen eignen sich Gästehäfen, wo auch Abwassertanks entleert werden können – das Einleiten von Abwasser ins Meer ist verboten.
Ålands Naturreservate
Auf Åland gibt es insgesamt 53 Naturreservate, darunter ein Seehundschutzgebiet sowie Laub- und Nadelwälder, Moore und Feuchtgebiete, Vogelfelsen und Kiesinseln. Alle gehören zum Natura-2000-Netzwerk der EU, das dem Schutz von Lebensräumen und Arten dient.
Während viele dieser Schutzgebiete weitgehend im Naturzustand sind, erfordern Laubwiesen und Weiden eine traditionelle Pflege, damit die Artenvielfalt erhalten bleibt. So werden in mehreren Reservaten im Sommer Wiesen gemäht und Laub entnommen.
Viele der kleinen Reservate eignen sich nicht für Besuche. Besonders empfehlenswert sind die größeren Reservate Nåtö, Ramsholmen, Prästgårdsnäset und Herrö, die alle mit Parkplätzen, Infotafeln und gut markierten Naturpfaden ausgestattet sind. Einige Reservate, wie Björkör, lassen sich ausschließlich mit dem Boot besuchen.
Die Naturreservate auf Åland sind besonders geschützt, und das Jedermannsrecht ist in diesen Gebieten teilweise eingeschränkt. In den meisten Reservaten ist Zelten sowie das Pflücken oder die Entnahme von Pflanzen nicht erlaubt. Auf einigen Schären und Inseln, auf denen störungsempfindliche Vögel brüten, besteht Landeverbot unter anderem während der Brutzeiten.
Auf der Webseite des Umweltbüros der Åländischen Landesregierung finden Sie aktuelle Informationen über den Naturschutz und die Naturreservate auf Åland, darunter die Regeln für jedes einzelne Reservat sowie eine Übersicht über Gebiete, auf denen Landungen verboten sind.
Raus in die Natur – entdecken Sie Ålands Naturpfade neu
Auf Åland gibt es rund 40 Naturpfade, darunter drei längere Wanderwege. Sie bieten verschiedene Landschaften, Schwierigkeitsgrade und Längen. Damit ist für jeden Geschmack und jede Kondition etwas dabei.